Häusliche Pflege: Das Wagnis der Verantwortlichkeit

Lichtschwert - Foto: iStock
Lichtschwert - Foto: iStock

Daniela Egger spricht in ihrem Vortrag, den sie beim Montagsforum in Dornbirn gehalten hat, über die emotionalen, psychischen und praktischen Belastungen, mit denen Pflegende konfrontiert sind. Diese Aufgabe gleicht einer inneren Heldenreise und fordert Mut und bedingungslose Empathie.

Pflege als existenzielles Wagnis
Pflege im familiären Umfeld ist in Österreich auf einem Höchststand. Tausende Menschen übernehmen diese Verantwortung täglich – oft auch ohne professionelle Unterstützung. Die psychischen Belastungen sind hoch. Viele der pflegenden Angehörigen leiden unter starkem emotionalem und psychischem Stress.

Die mythologische Heldenreise
Daniela Egger vergleicht die Pflege mit der Heldenreise des amerikanischen Autors und Mythenforschers Joseph Campbell. Diese universelle Reise verläuft in Phasen von der Erschütterung der Normalität hin zu Prüfungen und letztlich einer inneren Wandlung. Die Herausforderungen der Pflegearbeit sind konkret, von Schlafmangel bis zu sozialer Isolation. Die Pflegebedürftigkeit zwingt Familien, den Wandel zu akzeptieren und eine neue Art der Beziehung aufzubauen.

Bildung und Integration von Pflegearbeit
Die Pflege von Angehörigen ist ein stiller Heroismus, der unsere gesellschaftlichen Werte herausfordert. Frauen tragen die Hauptlast der häuslichen Pflegearbeit, oft unbeachtet. Diese Arbeit ist entscheidend für die Stabilität der Gesellschaft, wird aber nicht angemessen gewürdigt. Häufig bleiben Frauen zu Hause, um Angehörige zu pflegen, was zu weiterer finanzieller Benachteiligung und weiblicher Altersarmut führt, die Entscheidung ist oft schnell gefällt: der Einkommensverlust von Frauen ist meist geringer als bei Männern. Aber was sagt uns das über den Wert menschlicher Zuwendung aus, fragt Daniela Egger. Unbezahlbar wichtige Arbeiten werden nicht bezahlt. Der deutsche Soziologe Reimer Gronemeyer sieht Demenz als Spiegelbild unserer gesellschaftlichen Realität. „Menschen mit Demenz stellen uns eine Diagnose“, so Gronemeyer, und verdeutlichen, dass emotionale Werte und Gemeinschaft in unserer Kultur zu kurz kommen. (Textquelle: ORF Vorarlberg)

Vortrag hier nachhören.