In der Unterführung der Bärenkreuzung in Feldkirch wird Demenz sichtbar: Die Künstlerinnen Ida Romanowski, Edith Hofer und Annabell Stübe eröffneten am 13. April bei einer Vernissage den neuen Jahreszyklus in den Vitrinen der Bärenkreuzung. Ihre sensiblen und kreativen Arbeiten laden Passant*innen dazu ein, Demenz aus neuen Perspektiven zu erleben und über ein inklusives Miteinander nachzudenken.
Die Verbindung von Kunst und Demenz hat sich als wirkungsvoller Zugang erwiesen, um Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren. Die Stadt Feldkirch stellt dafür seit über zehn Jahren kostenlos drei Vitrinen in der Unterführung bei der Bärenkreuzung zur Verfügung. Jährlich lädt die Aktion Demenz neue Künstler*innen ein, diese Räume kreativ zu gestalten und das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven erlebbar zu machen. Die Ausstellung ist bis Ende Februar 2027 zu sehen.
Über die Ausstellung
Verschleiert von Ida Romanowski
„Verschleiert“ zeigt Momente des Erinnerns. Die Momente blieben am Schleier hängen, verheddern sich ineinander und fransen aus. Über anderen Erinnerungen liegt der Schleier. Ob durch den Vorhang durchgegangen werden kann, um Erinnerungen zu erleben, entscheidet die Demenz. Immer schwerer wird es zu Erinnern. Die Momente verblassen, verändern sich und verschwinden. „Im Gespräch mit einer mir nahestehenden, dementen Person erzählt sie mir, dass sich ihre Erinnerungen wie Träume anfühlen“, so Romanowski. Die Eindrücke von Erlebtem sind in ihrer Arbeit zwar da, aber nicht immer greifbar. Sie tauchen auf wie Fragmente, jedoch bleiben sie nicht lange.
Waschbär von Edith Hofer
Das Fellobjekt Waschbär stammt aus der Serie „Touch Me“, bei der handliche Kuschel- und Streichelteile für die Bewohner des Sozialzentrums Klosterreben in Rankweil entwickelt wurden. Früher oft mit Stolz getragene Pelzmäntel wurden hier von Edith Hofer zu flauschigen, nach Berührung verlangenden Objekten. Taktile wie auch visuelle Reize spielen bei fortgeschrittener Demenz eine zentrale Rolle, denn der Tastsinn sei jener Sinn, der uns als letzter verlässt. Er begleitet uns. Bis zum Schluss.
Seensucht von Annabell Stübe “
Das Auge für Details begleitet mich seit Beginn meiner fotografischen Tätigkeit. Begonnen hat alles mit Makroaufnahmen von Blüten und Blättern”, so die Kunstfotografin. Annabell Stübe macht sich mit ihrer Kamera seit Jahren auf die Suche nach Orten und Dingen, Motiven und Naturkonstellationen, von denen sie meint, sie seien es wert, als Foto ins Bild gebannt zu werden. Ob Annabell Stübe am Bodensee ihre Kamera zückt oder nach Island ausufert, sie erbeutet kleine und große, motions und emotions auslösende Kostbarkeiten. Sämtliche Werke sind in freier Natur und ohne Zuhilfenahme von künstlichem Licht entstanden.
Die wechselnden Ausstellungen in den Vitrinen sind eine Initiative der Aktion Demenz. Sie machen das Phänomen Demenz im öffentlichen Raum erlebbar und fördern die Vision, dass Menschen mit Demenz in Vorarlberg ungehindert am sozialen und kulturellen Leben teilnehmen können.
