Am 15. April 2009 wurde im Vorarlberger Landtag einstimmig beschlossen, dass dezentrale Unterstützungsstrukturen in der gerontopsychiatrischen Versorgung weiterentwickelt und umgesetzt werden, die sowohl für den ambulanten wie auch für den stationären Bereich Verantwortung tragen.

Infolgedessen wurde die connexia – Gesellschaft für Gesundheit und Pflege gemeinsam mit der Arbeitsgruppe „Gerontopsychiatrie“ (Untergruppe des Vorarlberger Psychiatriebeirates) seitens des Landes beauftragt, Maßnahmen zur (Weiter-)Entwicklung von dezentralen Unterstützungsstrukturen zur Weiterentwicklung der gerontopsychiatrischen Versorgung im ambulanten und im stationären Bereich zu erarbeiten.

Im Juni 2009 trafen sich im Rahmen eines Projektgruppentreffens Expertinnen und Experten zu einem gemeinsamen Erfahrungsaustausch. Ausgehend von Erfahrungsberichten wurden eine Bestandsaufnahme erarbeitet und Handlungsfelder definiert. Aufbauend auf diesen Ergebnissen erarbeitete eine Arbeitsgruppe einen Maßnahmenkatalog. Ein Zwischenbericht wurde im März 2010 formuliert.

Nach der Präsentation dieses Zwischenberichtes an die Regierungsmitglieder am
17. März 2010 wurde von diesen der Auftrag erteilt, aus den zehn angeführten Maßnahmen prioritär die ambulante gerontopsychiatrische Pflege und die geronto-psychiatrischen Konsiliar- und Liaison-Dienste in Pflegeheimen weiter zu präzisieren und Umsetzungsvorschläge zu entwickeln.


Weiterentwicklung der gerontopsychiatrischen Kompetenz

in den Vorarlberger Pflegeheimen

Die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen mit hoher Pflegeintensität steigt in den Pflegeheimen. Heute sind die Bewohnerinnen und Bewohner meist multimorbide, schwerstkranke und sterbende Menschen, die viel mehr Betreuungs- und Pflegezeit und Fachwissen benötigen, als in früheren Zeiten.

Oft kann sich der schwerkranke Mensch nicht mehr adäquat und deutlich in Entscheidungssituationen oder zu verschiedenen Handlungsalternativen äußern. Hier erweisen sich gute Rahmenbedingungen, eine ausreichende Qualifikation und die kontinuierliche Weiterqualifizierung der Mitarbeitenden, sowie eine bestmögliche und kontinuierliche ärztliche Betreuung vor Ort, als sehr wesentlich.

Die Auftaktveranstaltung zum ersten Projektdurchgang, damals noch unter dem Namen  „Gerontopsychiatrischer Konsiliar- und Liaisondienst im Pflegeheim“ fand im Februar 2012 im Landhaus statt. Später wurde das Projekt umbenannt in die „Weiterentwicklung der gerontopsychiatrischen Kompetenz in den Vorarlberger Pflegeheimen“ – um der Realität näher zu kommen, dass nicht nur die hausärztliche und fachärztliche Expertise und deren Begleitung eine wesentliche Säule im Projekt darstellt, sondern auch die pflegerische und betreuerische Expertise der Mitarbeitenden gestärkt werden muss, um das Wirkungsziel annähernd erreichen zu können:

Die fachgerechte Versorgung von gerontopsychiatrisch Erkrankten und meist hoch-betagten Bewohnerinnen und Bewohnern ist gewährleistet und die Fachkompetenz der Pflegenden ist gestiegen. Ziel der interdisziplinären Intervention ist die bestmögliche Lebensqualität der anvertrauten Menschen mit Betreuungs- und Pflegebedarf zu ermöglichen.

Das Projekt „Weiterentwicklung der gerontopsychiatrischen Kompetenz in den Vorarlberger Pflegeheimen“ wird im Auftrag des Vorarlberger Sozialfonds unter der Projektleitung der connexia – Gesellschaft für Gesundheit und Pflege in Kooperation mit pro mente Vorarlberg, der aks gesundheit gemeinsam mit den beteiligten Pflegeheimen (Stand April 2019: 40 Pflegeheime mit 2.019 Pflegeheimplätzen) durchgeführt.

1. Durchgang              Februar 2012 bis Dezember 2016 – Regelbetrieb: ab 2017
                                8 Pflegeheime mit 501 Pflegeheimplätzen

2. Durchgang              Januar 2015 bis Dezember 2018 – Regelbetrieb: ab 2019
                                11 Pflegeheime mit 592 Pflegeheimplätzen

3. Durchgang              Januar 2017 bis Dezember 2020 – Regelbetrieb: ab 2021
                                12 Pflegeheime mit 635 Pflegeheimplätzen

Quereinstieg               Juni 2018 bis Dezember 2021 – Regelbetrieb: ab 2022
                                1 Pflegeheim mit 46 Pflegeheimplätzen

4. Durchgang              Januar 2019 bis Dezember 2021 – Regelbetrieb: ab 2022
                                8 Pflegeheime mit 245 Pflegeheimplätzen

5. Durchgang              Start: Frühjahr 2020/2021
                                9 Pflegeheime mit 382 Pflegeheimplätzen

Die fortlaufende Ausrollung und erfolgreiche Beteiligung so vieler Pflegeheime zeigt nicht nur das hohe persönliche Engagement der Leitungen und Mitarbeitenden in den Pflegeheimen. Es ist gleichsam Zeugnis davon, wie notwendig dieses Projekt für die Mitarbeitenden in der Betreuung und Pflege sowie für die Bewohnerinnen und Bewohnern mit umfassenden Bedarfe und deren Angehörige für die gemeinsamen Lebens- und Alltagsbewältigung ist.


 

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