Weiterentwicklung der gerontopsychiatrischen Kompetenz in den Vorarlberger Pflegeheimen

Das Projekt „Weiterentwicklung der gerontopsychiatrischen Kompetenz in den Vorarlberger Pflegeheimen“ umfasst im Februar 2019 insgesamt 40 Pflegeheime mit 2019 Pflegeheimbewohnenden.

Projektbeschreibung
Stand: 2019

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Projektübersicht

Projektbeschreibung

Am 15. April 2009 wurde im Vorarlberger Landtag einstimmig beschlossen, dass dezentrale Unterstützungsstrukturen in der gerontopsychiatrischen Versorgung weiterentwickelt und umgesetzt werden, die sowohl für den ambulanten wie auch für den stationären Bereich Verantwortung tragen.

Infolgedessen wurde die connexia – Gesellschaft für Gesundheit und Pflege gemeinsam mit der Arbeitsgruppe „Gerontopsychiatrie“ (Untergruppe des Vorarlberger Psychiatriebeirates) seitens des Landes beauftragt, Maßnahmen zur (Weiter-)Entwicklung von dezentralen Unterstützungsstrukturen zur Weiterentwicklung der gerontopsychiatrischen Versorgung im ambulanten und im stationären Bereich zu erarbeiten.

Im Juni 2009 trafen sich im Rahmen eines Projektgruppentreffens Expertinnen und Experten zu einem gemeinsamen Erfahrungsaustausch. Ausgehend von Erfahrungsberichten wurden eine Bestandsaufnahme erarbeitet und Handlungsfelder definiert. Aufbauend auf diesen Ergebnissen erarbeitete eine Arbeitsgruppe einen Maßnahmenkatalog. Ein Zwischenbericht wurde im März 2010 formuliert.

Nach der Präsentation dieses Zwischenberichtes an die Regierungsmitglieder am
17. März 2010 wurde von diesen der Auftrag erteilt, aus den zehn angeführten Maßnahmen prioritär die ambulante gerontopsychiatrische Pflege und die geronto-psychiatrischen Konsiliar- und Liaison-Dienste in Pflegeheimen weiter zu präzisieren und Umsetzungsvorschläge zu entwickeln.

Weiterentwicklung

Die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen mit hoher Pflegeintensität steigt in den Pflegeheimen. Heute sind die Bewohnerinnen und Bewohner meist multimorbide, schwerstkranke und sterbende Menschen, die viel mehr Betreuungs- und Pflegezeit und Fachwissen benötigen, als in früheren Zeiten.

Oft kann sich der schwerkranke Mensch nicht mehr adäquat und deutlich in Entscheidungssituationen oder zu verschiedenen Handlungsalternativen äußern. Hier erweisen sich gute Rahmenbedingungen, eine ausreichende Qualifikation und die kontinuierliche Weiterqualifizierung der Mitarbeitenden, sowie eine bestmögliche und kontinuierliche ärztliche Betreuung vor Ort, als sehr wesentlich.

Die Auftaktveranstaltung zum ersten Projektdurchgang, damals noch unter dem Namen  „Gerontopsychiatrischer Konsiliar- und Liaisondienst im Pflegeheim“ fand im Februar 2012 im Landhaus statt. Später wurde das Projekt umbenannt in die „Weiterentwicklung der gerontopsychiatrischen Kompetenz in den Vorarlberger Pflegeheimen“ – um der Realität näher zu kommen, dass nicht nur die hausärztliche und fachärztliche Expertise und deren Begleitung eine wesentliche Säule im Projekt darstellt, sondern auch die pflegerische und betreuerische Expertise der Mitarbeitenden gestärkt werden muss, um das Wirkungsziel annähernd erreichen zu können:

Die fachgerechte Versorgung von gerontopsychiatrisch Erkrankten und meist hoch-betagten Bewohnerinnen und Bewohnern ist gewährleistet und die Fachkompetenz der Pflegenden ist gestiegen. Ziel der interdisziplinären Intervention ist die bestmögliche Lebensqualität der anvertrauten Menschen mit Betreuungs- und Pflegebedarf zu ermöglichen.

Das Projekt „Weiterentwicklung der gerontopsychiatrischen Kompetenz in den Vorarlberger Pflegeheimen“ wird im Auftrag des Vorarlberger Sozialfonds unter der Projektleitung der connexia – Gesellschaft für Gesundheit und Pflege in Kooperation mit pro mente Vorarlberg, der aks gesundheit gemeinsam mit den beteiligten Pflegeheimen (Stand April 2019: 40 Pflegeheime mit 2.019 Pflegeheimplätzen) durchgeführt.

  • 1. Durchgang: Februar 2012 bis Dezember 2016 – Regelbetrieb: ab 2017, 8 Pflegeheime mit 501 Pflegeheimplätzen
  • 2. Durchgang: Januar 2015 bis Dezember 2018 – Regelbetrieb: ab 2019, 11 Pflegeheime mit 592 Pflegeheimplätzen
  • 3. Durchgang: Januar 2017 bis Dezember 2020 – Regelbetrieb: ab 2021, 12 Pflegeheime mit 635 Pflegeheimplätzen
  • Quereinstieg: Juni 2018 bis Dezember 2021 – Regelbetrieb: ab 2022, 1 Pflegeheim mit 46 Pflegeheimplätzen
  • 4. Durchgang: Januar 2019 bis Dezember 2021 – Regelbetrieb: ab 2022, 8 Pflegeheime mit 245 Pflegeheimplätzen
  • 5. Durchgang: Start: Frühjahr 2020/2021, 9 Pflegeheime mit 382 Pflegeheimplätzen

Die fortlaufende Ausrollung und erfolgreiche Beteiligung so vieler Pflegeheime zeigt nicht nur das hohe persönliche Engagement der Leitungen und Mitarbeitenden in den Pflegeheimen. Es ist gleichsam Zeugnis davon, wie notwendig dieses Projekt für die Mitarbeitenden in der Betreuung und Pflege sowie für die Bewohnerinnen und Bewohnern mit umfassenden Bedarfe und deren Angehörige für die gemeinsamen Lebens- und Alltagsbewältigung ist.

Qualifizierungen im Rahmen des Projektes

Inhouse Basis Schulung - Gerontopsychiatrische Pflege und deren spezielle Situationen

Zielgruppe
Alle Pflegemitarbeitenden

Ziele

  • Stärkung der Toleranz, „anders sein“ auch im institutionellen Rahmen zulassen können und mit den Betroffenen (Bewohnende und deren Angehörige) eine professionelle Beziehung eingehen.
  • Eine genaue Beobachtungsgabe während alltäglicher Begegnungen trainieren, körperliche und auch psychische Veränderungen sensibel aufnehmen und präzise dokumentieren.
  • Basis-Kenntnisse über physiologische und pathophysiologische Veränderungen und Kenntnisse über die psychischen und neurologischen Veränderungen werden vermittelt.
  • Die Pflegefachpersonen sind in der Lage, bei herausforderndem Verhalten nach Ursachen zu forschen und entsprechende Maßnahmen zu setzen.
  • Das Bewusstsein über die Bedeutung von interdisziplinärer Zusammenarbeit in der Pflege und Betreuung von Menschen mit gerontopsychiatrischem Hilfsbedarf schärfen.
  • Biografsche Kenntnisse sowie eine hohe Sensibilität und Neugier für das gelebte Leben und die Zeit, an die sich die Bewohnenden am besten erinnern, fördern.
  • Die Kommunikation mit den Bewohnenden spielt eine große Rolle und erfordert sowohl Einfühlungsvermögen als auch genaue Kenntnisse über verbale und nonverbale Kommunikationsformen.
  • Die Grundlagen der Psychopharmakon-Therapie im Alter werden vermittelt.

Umfang

4 x 8 Unterrichtseinheiten; gesamt 32 Unterrichtseinheiten à 50 Minuten

 

Folder Gerontopsychiatrische Pflege

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Pflegerische Fallbesprechungen - vorbereiten, moderieren, ausarbeiten

Zielgruppe

Fallkoordinatorinnen und Fallkoordinatoren in den Pflegeheimen

Ziele

  • Fallkonferenzen haben zum Ziel, ein Problemlösungspotenzial zu entwickeln, Arbeitskonzepte zu erstellen und schließlich konkrete Aufgaben festzulegen. Die Schilderungen der Kollegen oder Angehörigen ermöglichen ein Lernen am Modell. Man kann vom Tun des anderen lernen, sich Rat und Anregung holen.
  • Eine Fallbesprechung ist eine individuenzentrierte, interkollegiale Besprechung, in deren Mittelpunkt herausfordernde Verhaltensweisen eines Bewohnenden stehen.
  • Die Teammitglieder erfahren so eine gemeinsame Orientierung und können sich in diesem Rahmen absprechen. Grundhaltungen und Werte über die Arbeit und über die Begegnung mit Bewohnenden werden transparenter.
  • Darüber hinaus dienen die Besprechungen der Verbesserung des persönlichen Milieus und des Miteinandertragens.

Umfang

3 x 8 Unterrichtseinheiten, gesamt 24 Unterrichtseinheiten à 50 Minuten

 

Folder Pflegerische Fallbesprechung

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Die personzentrierte Pflege

Zielgruppe
Alle Pflegemitarbeitenden


Ziele

  • Das Ziel einer personzentrierten Pflege besteht darin, das Personsein von Menschen zu erhalten, zu fördern und wenn nötig wiederherzustellen. Es geht in der Pflege von Menschen mit Betreuungs- und Pflegebedarf um die Be(ob)achtung des Wohlbefindens. Unser eigenes Menschenbild beeinflusst unsere Haltung und die Art und Weise, wie wir in Beziehung treten. „Reflektierende Praktiker/innen“ sind die von Kitwood anvisierten Experten, die mit Menschen mit kognitiven Einschränkungen einen möglichst angstarmen, normalen, ressourcenorientierten und familiären Alltag leben. Es ist nicht zwingend erforderlich, genaues diagnostisches Wissen über die Ursache und Folgen des Krankheitsprozesses zu haben. Hilfreich und förderlich ist selbst schon das Bemühen, in der Situation wirklich präsent zu sein, den anderen suchend verstehen zu wollen und sich ihm bedingungslos positiv zuzuwenden.

 Umfang
1 x 8 Unterrichtseinheiten à 50 Minuten
 

Folder Der personzentrierte Ansatz

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Weiterbildung Gerontopsychiatrie in der Pflege

Zielgruppe

Für den Abschluss der Weiterbildung gemäß § 64 GuKG

  • Diplomiertes Gesundheits- und Krankenpflegepersonal

Für das Zertifikat der connexia und gemäß § 63 GuKG

  • Diplomierte Sozialbetreuerinnen und Sozialbetreuer
  • Fachsozialbetreuerinnen und Fachsozialbetreuer mit integrierter Pflegeassistenzausbildung
  • Pflegefach- und Pflegeassistentinnen und -assistenten

mit Berufserfahrung im Langzeitbereich

Ziele

  • Erarbeitung und Kompetenzvertiefung im gerontopsychiatrischen Fachwissen – Kenntnisse über physiologische und pathophysiologische, über psychische und neurologische Veränderungen werden vermittelt
  • Gezieltes Reflektieren unserer eigenen Haltung und Beziehungsfähigkeit in der menschlichen Begegnung von "Ich und Du" im Pflege- und Betreuungskontext
  • Das sich „Einüben“ in eine respektvolle Gelassenheit auch bei grenzwertigen Pflegesituationen
  • Kreativ auf der Suche nach einer besseren Handlungsalternative sein, um eine bestmögliche Lebensqualität für die betroffenen Menschen fördern und wahren zu können
  • Erlernen der Methode „der verstehenden Pflegediagnostik“ anhand von Fallbesprechungen, damit eine Implementierung im eigenen Pflegeteam gut vorbereitet werden kann
  • Bedürfnis-, ressourcen- und personzentrierte Pflege- und Betreuungsplanung, das Begleiten von deren Durchführung und die zeitgerechte Evaluierung der Ergebnisse
  • Kooperative Zusammenarbeit mit den Fach- und Hausärzten sowie anderen Berufsgruppen forcieren
  • Fähigkeit zur Beratung der Angehörigen und Mitarbeitenden stärken – die Lernenden haben den Auftrag, diese Beziehungen fachlich zu begleiten. Sie verfügen über Informations-, Beratungs- und Anleitungskompetenz

Lehrgangsleitung

Dipl.-Theol. BPhil Christian Müller-Hergl, examinierter Altenpfleger, Supervisor, DCM Trainer und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Professional Campus, Universität Witten/Herdecke und am Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA), Hochschule Osnabrück

Umfang

  • 218 Unterrichtseinheiten à 50 Minuten
  • 70 Stunden Praxisarbeit im eigenen Arbeitsbereich und inklusive 30 Stunden Selbststudium
  • Fakultatives Modul: Dementia Care Basic User mit 3 x 8 Unterrichtseinheiten à 50 Minuten

Folder Weiterbildung
Gerontopsychiatrie in der Pflege

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Anmeldeformular
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Kontakt
Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Andrea Plut-Sauer, Leitung Stationäre Betreuung und Pflege
T +43 5574 48787-20
andrea.plut-sauer(at)connexia.at